Dachdeckerbetrieb beschäftigt Flüchtling aus Eritrea

In der Heimat keine Möglichkeit zum Überleben gesehen.

 

Wenn Andreas Schmitz von seinem neuen Mitarbeiter spricht, findet er nur positive Worte. Bereket sei freundlich und motiviert, kam bei den Kollegen gleich gut an, schildert der Zimmerer- und Dachdeckermeister aus Briedel an der Mosel: „Er sieht die Arbeit und macht das so, wie man sich das als Arbeitgeber erträumt." Ein positives Beispiel für die Integration eines Flüchtlings in einen familiären Handwerksbetrieb.

„In meiner Heimat habe ich keine Möglichkeit für mich gesehen zu überleben", sagt Bereket Yemane Teklemichael. Der 33-jährige Familienvater aus Eritrea hat viel durchgemacht. Wer die nüchternen Fakten seines Lebenslaufes liest, kann nur erahnen, welche Erlebnisse dahinter stecken und was es bedeuten muss, in einem krisengebeutelten Land aufzuwachsen.

Doch er hatte Glück: Dem vierfachen Vater gelang es, gemeinsam mit einem Freund in den Sudan zu fliehen. Anschließend verbrachte er zwei Monate in einem Flüchtlingslager in Libyen. Von dort ging es mit einem überfüllten Boot von Afrika nach Italien. 2014 kam Bereket nach Deutschland, lebte sechs Wochen in einem Flüchtlingslager in Trier, dann zwei Jahre mit neun weiteren Männern in einer Wohnung im Hunsrück. Heute lebt er mit einem Freund in Zell. Doch die Sehnsucht nach seiner Frau und den vier Kindern ist groß. Gerne würde er mit seiner Familie, die mittlerweile im Sudan untergekommen ist, in Deutschland leben. Für dieses große Ziel legt er sich ins Zeug.

Anfang September hat Bereket im Familienbetrieb Schmitz Bedachungen als Praktikant angefangen. Mit Erfolg: Er hat einen einjährigen Arbeitsvertrag erhalten. Danach ist eine Lehre geplant. Zu seiner Stelle kam der Mann aus Eritrea über das Flüchtlingshilfenetzwerk in der Verbandsgemeinde Zell.

Auch für den Handwerksbetrieb ist dies erfreulich, denn hier fehlt oftmals der Nachwuchs. Viele Unternehmer möchten Flüchtlingen eine Chance geben, wissen aber nicht, wie sie mit ihnen in Kontakt kommen können.

Oliver Kirst arbeitet als Projektleiter bei der KAUSA Servicestelle RLP, einer landesweiten Koordinations- und Anlaufstelle u.a. für Jugendliche mit Migrations- oder Fluchtgeschichte, deren Eltern sowie Unternehmer mit Migrationshintergrund. Ob Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis: „Wir gucken, ob wir individuelle Lösungen finden, ob z.B. parallel zu einem Deutschkurs bereits ein Praktikum aufgenommen werden kann", so Kirst. Hier gibt es einige behördliche Auflagen zu beachten. „Sofort Arbeit zu finden, ist den meisten Flüchtlingen nicht möglich. Erst müssen Deutschkenntnisse erworben werden, dann müssen sie sich im Rahmen einer Lehre in der Berufsschule zurechtfinden - da vergehen Jahre", mahnt er vor allzu viel Optimismus.

Viele Helfer, die mit den Flüchtlingen arbeiten wie etwa Rosemarie Mandernach sind überzeugt: Die Messlatte hin zur Arbeitswelt liegt oft zu hoch. Die Deutschprüfungen seien „sehr hart". Andreas Schmitz macht hier gute Erfahrungen mit seinem Angebot zu Hilfsarbeiten als Zwischenlösung. Bereket hat Sprachkurse absolviert und die Arbeitsgenehmigung bekommen. „Trotzdem ist die Sprachhürde bei uns auch noch gegeben", so Schmitz. „Ich bin mir aber sicher, dass er das Wichtigste einfach im täglichen Umgang mit den Kollegen lernen wird. Und so wird er dann auch die Ausbildung schaffen." Ihn überzeugt die Motivation seines Mitarbeiters: „Das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen."

Handwerksunternehmer, Flüchtlinge bzw. deren Helfer können sich bei Beratungsbedarf z.B. an die Kreishandwerkerschaft Mittelrhein wenden, die den hiesigen Innungen vorsteht, oder an die KAUSA Servicestelle RLP (Ausbildungsberater und Mediator Oliver Kirst, Tel.: 0261/398346, Oliver.Kirst@hwk-koblenz.de, www.kausa-rlp.de).

 
 
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