Meldepflichtige Krankheiten

A) Bei folgenden Krankheiten ist der Krankheitsverdacht, die Erkrankung und der Tod dem zuständigen Gesundheitsamt namentlich zu melden (Paragraph 6 Absatz 1 Ziffer 1 Infektionsschutzgesetz):


B) Außerdem besteht eine namentliche Meldepflicht gegenüber dem Gesundheitsamt für folgende Tatbestände (Paragraph 6 Absatz 1 Ziffern 1 bis 5 Infektionsschutzgesetz):

Tuberkulose:
a) Die Erkrankung und der Tod an einer behandlungsbedürftigen Tuberkulose, auch wenn ein bakteriologischer Nachweis nicht vorliegt (Paragraph 6 Absatz 1 Ziffer 1 Infektionsschutzgesetz).
b) Personen, die an einer behandlungsbedürftigen Lungentuberkulose leiden, aber eine Behandlung verweigern oder abbrechen (Paragraph 6 Absatz 2 Infektionsschutzgesetz).

Gastroenteritis:
Der Verdacht auf und die Erkrankung an einer mikrobiell bedingten Lebensmittelvergiftung oder an einer akuten infektiösen Gastroenteritis, wenn
a) eine Person betroffen ist, die eine Tätigkeit im Lebensmittelbereich ausübt,
b) zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird (Paragraph 6 Absatz 1 Ziffer 2 Infektionsschutzgesetz)

Impfreaktion:
Der Verdacht einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung (Paragraph 6 Absatz 1 Ziffer 3 Infektionsschutzgesetz).

Tollwut:
Die Verletzung eines Menschen durch ein tollwutkrankes, -verdächtiges oder ansteckungsverdächtiges Tier sowie die Berührung eines solchen Tieres, Tierkörpers oder eines Impfköders (Paragraph 6 Absatz 1 Ziffer 4 Infektionsschutzgesetz).

Verdacht auf eine schwerwiegende Gefahr durch eine Infektionskrankheit mit noch nicht identifiziertem Erreger:
Das Auftreten einer bisher (das heißt vorstehend) noch nicht genannten
a) bedrohlichen Krankheit oder
b) von zwei oder mehr gleichartigen Erkrankungen, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird,
wenn dies auf eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit hinweist und Krankheitserreger als Ursache in Betracht kommen, die nicht der Meldepflicht nach Paragraph 7 (meldepflichtige Nachweise von Krankheitserregern) unterliegen (Paragraph 6 Absatz 1 Ziffer 5 Infektionsschutzgesetz).


Die unter (A) und (B) genannten namentlichen Meldungen müssen unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden nach erlangter Kenntnis gegenüber dem für den Aufenthalt des Betroffenen zuständigen Gesundheitsamt erfolgen. Eine Meldung darf wegen einzelner fehlender Angaben nicht verzögert werden. Die Nachmeldung oder Korrektur von Angaben hat unverzüglich nach deren Vorliegen zu erfolgen. Bestätigt sich ein Verdacht, so muss dies dem Gesundheitsamt nicht mitgeteilt werden, wohl aber wenn sich ein Verdacht nicht bestätigt hat, um dem Gesundheitsamt unnötige Arbeit zu ersparen. Der Tod gilt als neuer meldepflichtiger Tatbestand (Paragraph 9 Infektionsschutzgesetz).

 

C) Namentlich meldepflichtige Erregernachweise:

Namentlich ist bei folgenden Krankheitserregern, soweit nicht anders bestimmt, der direkte oder indirekte Nachweis zu melden, soweit die Nachweise auf eine akute Infektion hinweisen (Meldung durch das Labor):

1. Adenoviren; Meldepflicht nur für den direkten Nachweis im Konjunktivalabstrich
2. Bacillus anthracis
3. Bordetella pertussis, Bordetella parapertussis
 
4. Borrelia recurrentis
5. Brucella sp.
6. Campylobacter sp.
7. Chlamydia psittaci
8. Clostridium botulinum oder Toxinnachweis
9. Corynebacterium diphtheriae, Toxin bildend
10. Coxiella burnetii
11. Cryptosporidium parvum
12. Ebolavirus
13. a) Escherichia coli, enterohämorrhagische Stämme (EHEC) 
      b) Escherichia coli, sonstige darmpathogene Stämme
14. Francisella tularensis
15. FSME-Virus (Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus)
16. Gelbfiebervirus
17. Giardia lamblia
18. Haemophilus influenzae; Meldepflicht nur für direkten Nachweis aus Liquor oder Blut
19. Hantaviren
20. Hepatitis-A-Virus
21. Hepatitis-B-Virus
22. Hepatitis-C-Virus; Meldepflicht für alle Nachweise, soweit nicht bekannt ist, dass
      eine chronische Infektion vorliegt
23. Hepatitis-D-Virus
24. Hepatitis-E-Virus
25. Influenzaviren
26. Lassavirus
27. Legionella sp.
28. Leptospira interrogans
29. Listeria monocytogenes; Meldepflicht nur für den direkten Nachweis aus Blut, Liquor
      oder anderen normalerweise sterilen Substraten sowie aus Abstrichen von
      Neugeborenen
30. Marburgvirus
31. Masernvirus
32. Mumpsvirus

33. Mycobacterium leprae
34. Mycobacterium tuberculosis/africanum, Mycobacterium bovis ("Mycobacterium-
      tuberculosis-Komplex"); Meldepflicht für den direkten Erregernachweis sowie 
      nachfolgend für das Ergebnis der Resistenzbestimmung, vorab auch für den 
      Nachweis säurefester Stäbchen im Sputum
35. Neisseria meningitidis; Meldepflicht nur für den direkten Nachweis aus Liquor, Blut,
      hämorrhagischen Hautinfiltraten oder anderen normalerweise sterilen Substraten
36. Norovirus ("Norwalk-ähnliches Virus"); Meldepflicht nur für den direkten Nachweis 
      aus Stuhl ... hier erfahren Sie mehr!
37. Poliovirus
38. Rabiesvirus
39. Rickettsia prowazekii
40. Rotavirus
41. Rubellavirus
 
42. Salmonella Paratyphi; Meldepflicht für alle direkten Nachweise
43. Salmonella Typhi; Meldepflicht für alle direkten Nachweise
44. Salmonella, sonstige
45. Shigella sp.
46. Trichinella spiralis
47. Varizella-Zoster-Virus
48.
Vibrio cholerae O 1 und O 139
49. Yersinia enterocolitica, darmpathogen
50. Yersinia pestis
51. andere Erreger hämorrhagischer Fieber

sowie in dieser Vorschrift nicht genannte Krankheitserreger, soweit deren örtliche und zeitliche Häufung auf eine schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit hinweist.  

 

D) Nicht namentlich meldepflichtige Erregernachweise:

Nicht namentlich ist bei folgenden Krankheitserregern der direkte oder indirekte Nachweis zu melden (vom Labor direkt an das Robert-Koch-Institut; ein Durchschlag ist vom behandelnden Arzt zu komplettieren und ebenfalls an das Robert-Koch-Institut zu senden):

1. Treponema pallidum
2. HIV
3. Echinococcus sp.
4. Plasmodium sp.
5. Rubellavirus; Meldepflicht nur bei konnatalen Infektionen
6. Toxoplasma gondii; Meldepflicht nur bei konnatalen Infektionen.

 

Weitere Informationen erhalten Sie beim RKI, unter Infektionsschutzgesetz 

 

 

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