Breitband-Infrastrukturgesellschaft Cochem-Zell gegründet

Gesellschafter geben grünes Licht für bundesweit einmaliges Modell zur flächendeckenden Breitbandversorgung im ländlichen Raum.

 

Der 6. Dezember hat für die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Cochem-Zell eine weitere Nikolaus-Überraschung gebracht: Der Landkreis, das saarländische Telekommunikationsunternehmen inexio, die fünf Verbandsgemeinden des Landkreises, die RWE Deutschland AG, die Energieversorgung Mittelrhein GmbH und die mps public solutions gmbh unterzeichneten den Vertrag zur Gründung der Breitbandinfrastruktur-Gesellschaft Cochem-Zell mbH (BIG) im Kreis Cochem-Zell.

 

Dem bundesweit einmaligen Projekt ist eine lange Vorarbeit vorangegangen. Schließlich galt es, nicht nur 92 Gemeinderatsbeschlüsse herbeizuführen, sondern auch die unterschiedlichen Partner im Interesse der Unternehmen und der Bürgerinnen und Bürger an einen Tisch zu bekommen. Das ist in überzeugender Art und Weise gelungen. Öffentliche Hand und Privatwirtschaft bringen ihre Stärken in die Breitband-Infrastrukturgesellschaft ein. Erstmalig sind im Landkreis Telekommunikationsunternehmen, Energieversorger und private Investoren damit Seite an Seite in einer Infrastrukturgesellschaft vertreten. Die Gemeinden werden über die Verbandsgemeinden vertreten und haben die Aufgabe „Breitbandversorgung" bereits auf diese übertragen.

Das zugrunde liegende Geschäftsmodell ist wirtschaftlich tragfähig und bedarf keiner verlorenen Baukostenzuschüsse von Seiten der öffentlichen Hand. Die Gesellschafter beteiligen sich mit Geld- und/oder Sacheinlagen, die sie im Laufe des Betriebes innerhalb von 20 Jahren zurückerhalten. Auf Grundlage dieses Geschäftsmodells sollen der Bau und der Betrieb eines Breitbandnetzes getrennt werden. Auf der einen Seite soll die Planung und der Ausbau der Breitband-Infrastruktur mittels Glasfasertechnik von einer „Breitbandinfrastruktur-Gesellschaft Cochem-Zell mbH" durchgeführt werden, auf der anderen Seite soll inexio das komplette Breitband-Netz mieten und betreiben.

In den nächsten Wochen soll die genaue Ausbauplanung fertig gestellt werden, um dann – ab Frühjahr 2012– innerhalb von 24 Monaten kreisweit alle Städte und Ortsgemeinden an die vorhandenen überregionalen Backbone-Trassen anzubinden und somit ein eigenständiges Breitbandnetz im Landkreis Cochem-Zell herzustellen. Genauer gesagt werden die Kabelverzweiger in den Gemeinden angeschlossen, um dann die Haushalte über das vorhandene Kupfernetz (sogenannte „letzte Meile") anzuschließen. Die Bandbreiten liegen in der Regel bei 50 Mbit/s, mindestens jedoch bei 16 Mbit/s. In einzelnen, besonders gut angebundenen Orten werden sogar Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s möglich sein. Dadurch erhalten alle unterversorgten und versorgten Gebiete attraktive Bandbreiten, die eine wichtige Grundlage für wirtschaftliches Wachstum (z.B. Produktionswachstum, Investitionsentscheidungen, Aus- und Weiterbildung) und Lebensqualität (z.B. Informationsquelle, Wohnortwahl) bilden und damit eine hohe Attraktivität der Region für Bürger und Unternehmen gewährleisten.

Die fehlende Breitband-Infrastruktur ist der Grund für die größtenteils schlechte DSL-Versorgung in den Unternehmen und Haushalten im Landkreis Cochem-Zell. Bei den Planungen soll besonders darauf geachtet werden, vorhandene Infrastrukturen und künftige Baumaßnahmen in das neue Netz einzubinden. Trotz der vorhandenen Infrastruktur (Leerrohre mit und ohne Glasfaserkabel) von knapp 180 km Länge werden für den Komplettausbau rund 160 km weitere Glasfaserleitungen notwendig sein, um dann alle Orte mit hoher Geschwindigkeit ans Internet anzubinden. Dazu sollen insgesamt 135 Technikstandorte, die mit aktiver Breitbandtechnik und mit Strom versorgt werden müssen, angebunden werden. Die BIG-Gesellschafter sind aber alle zuversichtlich, die rund 17 Millionen Euro Investition erfolgreich zu gestalten. Von der Investitionssumme bringen die Gesellschafter bereits bei Gründung in Form von Sach- oder Geldeinlagen rund 8 Millionen in die Gesellschaft ein. „In zwei Jahren wird der Landkreis Cochem-Zell als Beispiel für die erfolgreiche Erschließung ländlicher Räume mit DSL-Infrastruktur da stehen", sind sich alle Beteiligten sicher.

 

Die Anteile der neuen Gesellschaft verteilen sich wie folgt:

Landkreis Cochem-Zell:
5,49%
Die 5 Verbandsgemeinden halten jeweils:
3,29%
inexio KGaA:
42,68%
RWE Deutschland AG:
20,73%
Energieversorgung Mittelrhein GmbH
7,32%
mps public solutions gmbh
7,32%


 

 

 

 

 

 

Zitate der Gesellschafter:

 

Landrat Manfred Schnur, Cochem-Zell

„Mit dem heutigen Tag sind wir nach einem Jahr Vorbereitung, vielen Gesprächen und zielführenden Verhandlungen unserem Ziel ein gutes Stück näher gekommen. Wir haben starke Partner gewonnen, die nun eine flächendeckende Breitbandversorgung realisieren können. Mein Dank gilt an dieser Stelle allen politischen Gremien, egal ob Kreistag, Verbandsgemeinderäten oder aber auch jeder Ortsgemeinde im Landkreis für die Zustimmung zu diesem Projekt. Ich danke aber auch dem Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur sowie der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, die ebenfalls „grünes Licht „ für die Umsetzung dieses außergewöhnlichen Projektes im Landkreis Cochem-Zell gegeben haben.

 

David Zimmer und Thorsten Klein, persönlich haftende Gesellschafter der Firma inexio

In den letzten Jahren haben wir als Telekommunikationsunternehmen aktiv und erfolgreich ein Glasfasernetz von mehr als 2.200 Kilometern aufgebaut und damit unter anderem den DSL-Ausbau im ländlichen Raum vorangetrieben. Als größter Gesellschafter der BIG freuen wir uns nun auf den nächsten Schritt. Die heutige Vertragsunterzeichnung ist der Schlussstrich unter die erste Etappe im DSL-Ausbau für Cochem-Zell. Jetzt können wir mit vereinten Kräften an die Umsetzung gehen. Ein guter Tag für die Region.

 

Dr. Heinz-Willi Mölders, Mitglied des Vorstands der RWE Deutschland AG

Schnelles Internet ist gerade in schwächer strukturierten Regionen ein wichtiger Faktor, der ausschlaggebend für die Wahl des Wohnortes für Familien aber auch für die Standortwahl von Gewerbetreibenden und Industrie sein kann. Darum ist auch die Weiterentwicklung der Breitbandinfrastruktur im Landkreis Cochem-Zell ein äußerst wichtiges Vorhaben zur Standortförderung. Die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen durch die Breitband-Infrastrukturgesellschaft Cochem-Zell ist wichtiges Element des Ausbaus der Infrastruktur. Für uns von RWE Deutschland ist das ein weiteres Beispiel von gelebter Partnerschaft mit Landkreis und Kommunen."

 

Josef Rönz, Geschäftsführer der Energieversorgung Mittelrhein GmbH

„Eine zukunftsfähige Infrastruktur ist ein wesentlicher Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung einer Kommune und die Lebensqualität der Bürger. Dafür setzt sich die Energieversorgung Mittelrhein GmbH, die das Stromnetz in Cochem und ein rund 4.500 Kilometer langes Erdgasnetz in Rheinland-Pfalz betreibt, bereits seit vielen Jahren ein. Als langjähriger Partner des Landkreises Cochem-Zell unterstützen wir gerne weitere Infrastrukturmaßnahmen wie die Gründung der Breitband-Infrastrukturgesellschaft Cochem-Zell mbH."


Gerhard Sisterhenn, geschäftsführender Gesellschafter mps public solutions gmbh

„Als Partner der Kommunen bei der Umsetzung von E-Government-Konzepten wissen wir um die Wichtigkeit einer zukunftsfähigen Breitband-Versorgung. Nur so lassen sich die Serviceerwartungen der Bürger und wirtschaftliches Handeln im Verwaltungsablauf in Einklang bringen. Wir freuen uns, unseren Beitrag hierzu leisten zu können!"

 

Gemeinsames Zitat der Bürgermeister Helmut Probst (Verbandsgemeinde Cochem), Manfred Führ (Verbandsgemeinde Treis-Karden) Albert Jung (Verbandsgemeinde Kaisersesch) Karl-Heinz Simon (Verbandsgemeinde Zell) und Alfred Steimers (Verbandsgemeinde Ulmen)

Eine leistungsfähige Breitbandversorgung gehört heutzutage so selbstverständlich zur Daseinsvorsorge wie Straßenbau, Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung usw. Leider haben die großen Anbieter die ländlichen Regionen hierbei im Stich gelassen, so dass die Kommunen im Kreis Cochem-Zell – gemeinsam mit vier innovativen privaten Partnergesellschaftern – diese Aufgabe im Interesse der Region nun selbst in die Hand genommen haben. Bis zu der Gründung der Breitbandinfrastruktur-Gesellschaft waren viele Hürden zu überwinden. Mit gemeinsamen beharrlichen Anstrengungen ist es jedoch gelungen, diese zu überwinden, so dass dem Start der Breitbandinfrastruktur-Gesellschaft nun nichts mehr im Wege steht. Mit der innerhalb den nächsten beiden Jahre geplanten Fertigstellung eines leistungsfähigen flächendeckenden Breitbandnetzes wird ein weiterer Beitrag dazu geleistet, dass unser Landkreis, unsere Verbandsgemeinden und Gemeinden im Wettbewerb der Regionen gut aufgestellt sind.

 
 
Die Gesellschafter